Stevia-Zulassung: So sieht es wirklich aus!

Stevia ZulassungAls “Natürliche Süßkraft ohne Kalorien” feierte Stevia mit Wirkung vom 02. Dezember 2011 in Deutschland seine lang erwartete Zulassung. Doch was hat sich seit der Einführung getan? Ist der “Superzucker, der nicht dick macht” wirklich dort angekommen, wo er nach Meinung zahlreicher Fürsprecher schon lange hingehört?

Süß und (trotzdem) gesund

Stevia gehört nach Honig zu den ältesten bekannten Süßstoffen der Welt. Südamerikanische Ureinwohner kennen und nutzen seine Würzkraft bereits seit über 500 Jahren. Das in den Subtropen beheimatete Naturprodukt besticht nicht nur durch seinen extrem süßen Geschmack, sondern auch durch seine positiven gesundheitlichen Aspekte. Es wirkt sich weder auf den Blutzuckerspiegel noch auf die Zähne aus und hat erheblich weniger Kalorien.

Doch während fortschrittliche Nationen wie Japan oder die USA schon seit Jahrzehnten eine Stevia-Zulassung vorweisen, durfte der natürliche Süßmacher bis zur endgültigen EU-Verordnung innerhalb Deutschlands nur “versteckt” angeboten werden: Stevia war lediglich als Zusatz in Kosmetikartikeln oder Waschmitteln erhältlich.

Alternative mit kleinen Mankos

Entsprechend hoch waren die Erwartungen, die sich an die Stevia-Zulassung knüpften. Jahrelange Verfechter feierten die Markteinführung als längst überfälligen Sieg der Vernunft; die Hersteller gesüßter Produkte witterten Potenzial hinsichtlich werbeträchtiger Gesundkost und die Anti-Zucker-Lobby jubelte. Endlich schien die Volksdroge Nr. 1 ernstzunehmende Konkurrenz zu bekommen.

Doch die Praxis sah dann doch anders aus: Einige Produzenten nutzten die Stevia-Zulassung schnell aus und nahmen entsprechende Alternativen in ihr Sortiment auf; andere taten sich damit auffallend schwer. Ihre Gründe lassen sich an drei wesentlichen Aspekten festmachen:

  1. Stevia verändert die Zusammensetzung und damit u.U. die Konsistenz der Produkte
  2. Stevia kann einen unangenehmen Eigen- und Nachgeschmack entwickeln
  3. Die Stevia-Zulassung unterliegt strengen EU-Richtlinien hinsichtlich Menge und empfohlener Tagesdosis

Idealer Ersatzstoff

Trotz dieser Einschränkungen ist Stevia für einige Produkte eine nahezu unschlagbare Alternative. Als besonders kombinierfreudig haben sich alkoholfreie Getränke erwiesen. Im Gegensatz zu vielen anderen Lebensmitteln sind sie nicht auf die voluminösen oder chemischen Eigenschaften von Zucker angewiesen und können daher einfacher mit dem neuen Süßstoff angereichert werden.


Weitere große Nutzergruppen der Stevia-Zulassung sind Milchmischgetränke, Joghurtzubereitungen oder Brotaufstriche sowie Schokolade und Bonbons. Wie bei allen anderen Nahrungs- und Genussmitteln gilt jedoch auch hier: Nicht das Hinzufügen oder Austauschen einer einzelnen Zutat ist ausschlaggebend, sondern vielmehr kreative Zusammensetzungen und ausgewogene Rezepturen.

Und auch zum Backen ist Stevia ideal geeignet. Gehören Sie als Leser zu denjenigen, die den Süßstoff gern einmal in der eigenen Küche ausprobieren möchten, können Sie hier Stevia als Zuckersatz kaufen.

Das Ende des „weißen Riesen“?

Die Zuckerindustrie sieht sich durch die Stevia-Zulassung keineswegs gefährdet, denn die bisher üblichen süßen Körnchen können noch nicht vollständig durch die natürliche Alternative ersetzt werden. Doch die kalorienarmen und zahnschonenden Produkte sind schon jetzt ausreichend weit entwickelt, um die Verwendung industriell hergestellter Saccharose wesentlich zu reduzieren und damit einen wichtigen Beitrag zu gesünderer Ernährung zu leisten. Man darf gespannt sein, wie die Entwicklung weiter geht.

Fortsetzung: Stevia nun endlich zugelassen!

Zulassung von SteviaNach langer Diskussion über das natürliche Süßungsmittel wurde Stevia nun am 02. Dezember offiziell von der EU-Kommission zur Verarbeitung in Lebensmitteln für die europäischen Mitgliedsstaaten freigegeben. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit oder kurz EFSA prüfte den Zuckerersatz auf seine Unbedenklichkeit und zeigte ein Jahr bevor dieser zugelassen wurde in einer Studie, dass keine krebserregenden Stoffe oder für das Erbgut schädliche Bestandteile enthalten sind. Als gesundheitliche Schäden demnach ausgeschlossen werden konnten, wurde die Verarbeitung erlaubt, jedoch nur in bestimmten Lebensmittelgruppen und in geregelten Mengen. 2011 war die Verwendung in einer Teemischung allerdings schon freigegeben. Die Kennzeichnung auf den Produkten, in denen Stevia verwendet wird, soll dem Verbraucher ermöglichen, sich problemlos zu informieren, wenn dieser Zusatz in der Nahrung enthalten ist.

Einsatz von Stevia

Unter der Kennzeichnung E 960 wird der pflanzliche Süßstoff wohl am häufigsten in Diätprodukten und Lebensmitteln mit verringertem Brennwert zu finden sein. Die Süßkraft des Pflanzenextrakts soll ungefähr dreihundert mal stärker als die von herkömmlichen Zucker sein. Dabei soll der Wirkstoff jedoch keinen Karies verursachen und zudem keine Kalorien beinhalten, sodass der Verzehr vor allem für Diabetiker als Zuckerersatz geeignet wäre. Vorerst wurde von der Expertenkommission für Lebensmittelzusatzstoffe eine Tageshöchstdosis von 4 mg pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt.

Vorteile von Stevia

Die Zulassung von Stevia öffnet die Möglichkeit einer völlig neuen Ernährung; vor allem für Diabetiker. Der kalorienfreie Zuckerersatz kann vor allem für die Deutschen als durchschnittlich dickste Europäer eine gesunde Alternative mit vielen Vitaminen im Essen werden. Die Inhaltsstoffe der Steviapflanze, auch Honigkraut genannt, sollen noch zahlreiche andere positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben, weshalb sie sich wahrscheinlich mit großem Erfolg durchsetzen wird. Das lange Verbot des Einsatzes von Stevia ist wohl auch zum Teil mit der Lobbyarbeit der Zuckerindustrie zu erklären, die durch die gesündere und kalorienärmere Variante womöglich einige Einbußen zu verzeichnen haben wird.


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